Naturerbe Taunus e.V.

Wilhelm Heinrich Riehl (im Buch S. 113) über unsere Taunusschlandschaft, die sich in Schlangenbad in all ihren Ausprägungen gebündelt zeigt:




„Was dem Schlangenbad an den zerstreuenden Genüssen des städtischen Lebens abgeht, das wird ihm durch die wunderbare Mannigfaltigkeit in den landschaftlichen Reizen seiner Umgebung überreich heimgezahlt. Wer die volle Heilkraft dieses Tales erproben will, der muss nicht bloß unten an den Quellen, der muss auch mit dem Wanderstab in der Hand oben auf den Bergen und in den Wäldern Genesung trinken. […]

Die reiche Mannigfaltigkeit des Naturlebens spiegelt sich aber auch im Kleinen sogar in den allernächsten Umgebungen Schlangenbads. Man kann die von uns angedeuteten Kontraste landschaftlicher Schönheit gleichsam im Miniaturbilde und doch in den feinsten originellsten Zügen durchgeführt auf den kleinsten Spaziergängen im nächsten Umkreis der Badegebäude zusammengedrängt wiederfinden. Geht man nur wenige Schritte talwärts an den Schlangenbader Mühlen vorüber, so hat man in dem lachenden Wiesengrunde mit der malerischen Staffage der kleinen Mühlengebäude das zarteste Bild idyllischen Naturfriedens, aber man braucht nur rechts oder links einzubiegen und eine kurze Strecke bergauf in den Wald zu steigen, um sich zwischen dichtem Gebüsch, moosigen uralten Eichen und zackigen Felsentrümmern dem ganzen Zauber einer düsteren Waldromantik hinzugeben. Die Ziegenwiese, welche unmittelbar hinter dem Nassauerhofe den Berghang deckt, gibt in ihrer breiten, lichten Fläche, die so erheiternd aus den dunklen Hintergründen hervortritt, ein verkleinertes Bild der herrlichen Taunusmatten, wie sie in den Wiesbadener Bergen als eine Art Taschenausgabe der Alpenmatten der Schweiz, den Wanderer entzücken. Die Talschlucht des Warmenbaches aufwärts zu dem Felsblocke, den man „die wilde Frau“ nennt, sieht sich fast wie ein Fragment aus dem Wispertale, nur in milderen Farbentönen, an, während gleich nebenan die verschnittenen Laubgänge der Rokoko-Alleen als ein steckengebliebenes Stück hundertjähriger Kulturgeschichte gar wunderlich in jenes ungebrochen frische, vom wilden Waldbach durchbrauste Gebirgsbild hineinschauen. Die Felsmassen der „Schlangenbader Wand“ gemahnen an die jähen Abhänge des Rheingebirges unterhalb Rüdesheims, während das Bärstadter Feld uns zum Widerspiel ganz und gar in die friedliche Prosa der gewöhnlichen deutschen Dorflandschaft versetzt. Die einzelnen Aussichtspunkte des mit Kuranlagen bedeckten Bärstadter Kopfes, des Hansekopfes, der Jörgenborner Steige, des Waldweges nach Rauenthal öffnen die mannigfaltigsten Blicke in die eng verschränkten Bergwände, in die malerisch verschlungenen Talgründe. Die Kurgebäude selber zeigen sich von unzähligen Punkten in stets wechselnder Perspektive, die fast immer ein Bild, und was noch mehr, fast immer ein neues Bild gibt. So hat man schon in der unmittelbarsten Nähe des Bades fast bei jedem Schritte eine andere Landschaft, und der muss ein gar fleißiger und unermüdlicher Wanderer sein, der in der kurzen Frist einer Saison die überschäumende Mannigfaltigkeit dieser auf kleinstem Raum zusammengedrängten Naturbilder auch nur in allen ihren Hauptgruppen anstoßen will.“